Eine Gebet von Karl Barth

Am vergangenen Freitag, 20. März, war den Losungen der Herrnhuter Brüdergemeinde ein Gebet von Karl Barths beigefügt. Viele fanden in diesem Gebet die Worte, nach denen sie in dieser Zeit suchen.
In den Losungen waren nur die ersten Sätze abgedruckt. Ein Kollege hat sich die Mühe gemacht, das ganze Gebet herauszusuchen. Weil die Worte auch mich ansprechen, möchte ich es hier gerne weitergeben.

Karl Barth sprach dieses Gebet übrigens 1958 als Abschluss einer Weihnachtspredigt in der Strafanstalt in Basel. Auch der Kerngedanke seiner Predigt gilt bis heute: in der Krippe von Bethlehem liegt „der, der es mit uns hält.“ Diese Weihnachtspredigt, die man auch in der Passionszeit lesen kann, da wir alle ein bisschen wie Gefangene sind, ist hier veröffentlicht.

Herr unser Gott! Wenn wir Angst haben, dann laß uns nicht verzweifeln! Wenn wir enttäuscht sind, dann laß uns nicht bitter werden! Wenn wir gefallen sind, dann laß uns nicht liegen bleiben! Wenn es mit unserem Verstehen und mit unseren Kräften zu Ende ist, dann laß uns nicht umkommen! Nein, dann laß uns deine Nähe und deine Liebe spüren, die du ja gerade denen verheißen hast, deren Herz demütig und zerschlagen ist und die sich fürchten vor deinem Wort. Zu allen Menschen ist ja dein lieber Sohn gekommen als zu solchen, die so dran sind. Eben weil wir alle so dran sind, ist er im Stall geboren und am Kreuz gestorben. Herr, erwecke uns alle und halte uns alle wach zu dieser Erkenntnis und zu diesem Bekenntnis!

Und nun denken wir an alle Finsternisse und Leiden dieser unserer Zeit – an die vielen Irrtümer und Mißverständnisse, mit denen wir Menschen uns plagen – an all das Harte, das so Viele trostlos tragen müssen – an all die großen Gefahren, von denen die Welt bedroht ist, ohne Rat zu wissen, wie sie ihnen begegnen soll. Wir denken an die Kranken und Geisteskranken, an die Armen, die Vertriebenen, Unterdrückten und Unrecht Leidenden, an die Kinder, die keine oder keine rechten Eltern haben. Und wir denken an Alle, die berufen sind, so weit zu helfen, als Menschen helfen können: an die Regierungsmänner unseres Landes und aller anderen Länder, an die Richter und Beamten, an die Lehrer und Erzieher, an die Menschen, die Bücher und Zeitungen zu schreiben haben, an die Ärzte und Schwestern in den Spitälern, an die Verkündiger deines Wortes in den verschiedenen Kirchen und Gemeinschaften in der Nähe und in der Ferne. Wir denken an sie alle mit der Bitte, daß das Licht der Weihnacht ihnen und uns hell, viel heller als bisher leuchten möge, damit ihnen und uns geholfen werde. Das alles im Namen des Heilandes, in welchem du uns schon erhört hast und wieder und wieder erhören willst. Amen.

2 Gedanken zu „Eine Gebet von Karl Barth“

  1. Danke für das mutmachende Gebet.
    Unter dem Link zu der Predigt kommt bei mir leider nichts.
    Mir geht z. Zt. das Lied „Jesus, dein Licht füll dies Land mit des Vaters Ehre“ durch den Kopf.

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