Wem folgen wir?

Gedanken zum Wochenspruch für den Misericordias Domini

Christus spricht: „Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich geben ihnen das ewige Leben. (Joh 10,11.27.28)

Wem folgen wir? In den sozialen Medien gehört es dazu – egal, ob das nun Facebook, Instagram oder Twitter ist: ein, zwei Klicks, und wir folgen einer Person oder Organisation. Wann immer diese Person nun eine neue Nachricht veröffentlicht, einen Text, ein Bild, ein Filmchen, wird es in unserem Konto angezeigt. Natürlich folgen wir vor allem den Menschen und Organisationen, die wir mögen und deren Ansichten wir teilen. Und es ist längst kein Geheimnis mehr: das wiederum beeinflusst unser Denken und unsere Meinung.

Die Filter und Algorithmen der Onlinedienste zeigen uns genau das an, was wir mögen – andere Meinungen und Betrachtungsweisen nehmen wir gar nicht mehr wahr.

Oftmals ohne dass wir es merken, heißt „folgen“ auch, dass wir in eine bestimmte Richtung gelenkt werden. Wer in den sozialen Medien erfolgreich ist, kann davon inzwischen seinen Lebensunterhalt bestreiten. Es hat sich hierfür sogar schon eine Art Berufsbezeichnung für etabliert – Influencer, auf deutsch: Beeinflusser.

Jemanden zu folgen – das ist nicht nur eine Sache von Sympathie. Immer geht es dabei auch um die Frage: Von wem lassen wir uns prägen? Wer sagt uns, was richtig und gut ist, was schön ist, welcher Stil gerade angesagt ist und welche Musik wir gerne hören? Was uns gefällt und was nicht, beruht längst nicht mehr nur auf unserem eigenen Geschmack – oft genug werden wir ganz subtil in die Richtung gelenkt, von der sich dieser oder jene Anbieter den größten Gewinn erhofft.

Wem folgen wir? Was darf uns prägen? Wohin lassen wir uns führen? Jesus stellt sich uns als der gute Hirte vor. Ein Hirte führt seine Schafe. Er prägt sie auf seine Person, damit sie ihm folgen. Ein guter Hirte hat vor allem eines im Sinn: das Wohlergehen seiner Schafe. Schon im Alten Testament wurden die Mächtigen, die Verantwortlichen, die Leistungsträger der Gesellschaft, die Wohlhabenden und Tonangebenden mit Hirten verglichen. Doch Gottes Urteil über diese Hirten fällt vernichtend aus: es sind schlechte Hirten, weil sie nur auf den eigenen Vorteil und Gewinn bedacht sind.

Ganz anders begegnet uns Jesus, der gute Hirte. Er ist bereit, das eigene Leben für seine Herde zu lassen. Dieser Satz wurde in der Auswahl für den Wochenspruch leider ausgelassen: „Der gute Hirte lässt  sein Leben für die Schafe … Ich lassen mein Leben für die Schafe.“ Jesus stellt nicht den eigenen Erfolg an erste Stelle. Ihm geht es darum, dass er alle, die ihm anvertraut sind, zu einem guten Ziel führt. „Ich gebe ihnen das ewige Leben.“ Wer Jesus folgt und sich an seinem Vorbild orientiert, der geht diesem Ziel entgegen.

Wem folgen wir? Wer darf uns prägen? Und wohin lassen wir uns führen?