Hausandacht für den 2. Sonntag n. Trinitatis / Erntebitte am 21. Juni 2020

„… soviel er zum Essen brauchte …“

Vorbereitung

Räumen Sie beiseite, was die Gedanken abschweifen lässt. Nehmen Sie sich bewusst Zeit.

Nehmen sie für die Lieder ein Gesangbuch zur Hand.

Wenn es möglich ist, singen Sie die die Lieder. Vielleicht haben Sie sogar ein Begleitinstrument. Wenn Sie nicht singen können oder wollen, sprechen Sie die Strophen laut. Das gilt übrigens für alle Texte: sprechen und lesen Sie laut, auch wenn Sie alleine sind. So nehmen Sie die Texte viel bewusster wahr und sie entfalten ihre ganze Kraft.

Wenn alle Mitfeiernden Platz genommen haben, zünden Sie eine Kerze an.

Kerze anzünden

Eröffnung

Einer:        Wir feiern diese Andacht in der Gegenwart des dreieinigen Gottes und sprechen:

Alle:           Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Einer:        Im Wochenspruch für diesen Sonntag lädt Jesus Christus uns ein: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid.“ ((Matthäus 11,28)

Jesus möchte uns die Lasten des Lebens leicht machen. Heute denken wir daran, dass von Gott auch das kommt, was wir zum Leben brauchen. Wir bitten um gutes Wachstum und eine gesegnete Ernte.

Eingangslied: Geh aus mein Herz und suche Freud (EG 503)

Psalmgebet und Ehr sei dem Vater (Psalm 145 / EG 756)

Ich will dich erheben, mein Gott, du König,
und deinen Namen loben immer und ewiglich.

Der Herr ist groß und sehr zu loben,
und seine Größe ist unausforschlich.

Kindeskinder werden deine Werke preisen
und deine gewaltigen Taten verkündigen.

Gnädig und barmherzig ist der Herr,
geduldig und von großer Güte.

Dein Reich ist ein ewiges Reich,
und deine Herrschaft währet für und für.

Der Herr ist getreu in all seinen Worten
und gnädig in allen seinen Werken.

Der Herr hält alle, die da fallen,
und richtet alle auf, die niedergeschlagen sind.

Aller Augen warten auf dich,
und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.

Du tust deine Hand auf
und sättigst alles, was lebt, nach deinem Wohlgefallen.

Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen,
allen, die ihn ernstlich anrufen.

Er tut, was die Gottesfürchtigen begehren,
und hört ihr Schreien und hilft ihnen.

(Psalm 145,1.3.4.813-16.18-19)

Ehr sei dem Vater und dem Sohn
und dem Heiligen Geist,

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar
und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Eingangsgebet

Allmächtiger Gott, du hast den Himmel und die Erde erschaffen.

Du hast uns Menschen dazu bestimmt, die Erde zu bebauen und sie als Haushalter deiner Schöpfung zu bewahren.

Wir freuen uns und sind dankbar für alles, was du auch dieses Jahr wieder auf unseren Äckern, Wiesen und in unseren Gärten hast wach- sen lassen.

Ohne dein Zutun würde dies alles nicht gelingen.

Mit den Früchten, die wir von unseren Feldern und aus unseren Gärten ernten werden, können wir sowohl uns Menschen als auch die Tiere in unseren Ställen ernähren.

Dafür danken wir dir.

In diesem Gottesdienst wollen wir dich um eine gute Ernte bitten.

Höre, was ein jeder, eine jede dir heute zu sagen hat

Stille

Abschluss der Stille mit:

Einer:        Herr, tue meine Lippen auf

Alle:           dass mein Mund deinen Ruhm verkündige.

Einer:        Gott, gedenke mein nach deiner Gnade.

Alle:           Herr, erhöre mich mit deiner treuen Hilfe.

Liedvers: Meine Hoffnung und meine Freude – EG 576

Meine Hoffnung und meine Freude, / meine Stärke, mein Licht: / Christus, meine Zuversicht, / auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht, / auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht.

Lesung des Predigttextes: 2. Mose 16,2-5.11-18

Speisung mit Wachteln und Manna

2 Und es murrte die ganze Gemeinde der Israeliten wider Mose und Aaron in der Wüste.

3 Und sie sprachen: Wollte Gott, wir wären in Ägypten gestorben durch des HERRN Hand, als wir bei den Fleischtöpfen saßen und hatten Brot die Fülle zu essen. Denn ihr habt uns dazu herausgeführt in diese Wüste, dass ihr diese ganze Gemeinde an Hunger sterben lasst.

4 Da sprach der HERR zu Mose: Siehe, ich will euch Brot vom Himmel regnen lassen, und das Volk soll hinausgehen und täglich sammeln, was es für den Tag bedarf, dass ich’s prüfe, ob es in meinem Gesetz wandle oder nicht. 5 Am sechsten Tage aber wird’s geschehen, wenn sie zubereiten, was sie einbringen, dass es doppelt so viel sein wird, wie sie sonst täglich sammeln.

11 Und der HERR sprach zu Mose: 12 Ich habe das Murren der Israeliten gehört. Sage ihnen: Gegen Abend sollt ihr Fleisch zu essen haben und am Morgen von Brot satt werden und sollt innewerden, dass ich, der HERR, euer Gott bin.

13 Und am Abend kamen Wachteln herauf und bedeckten das Lager. Und am Morgen lag Tau rings um das Lager. 14 Und als der Tau weg war, siehe, da lag’s in der Wüste rund und klein wie Reif auf der Erde. 15 Und als es die Israeliten sahen, sprachen sie untereinander: Man hu? Denn sie wussten nicht, was es war. Mose aber sprach zu ihnen: Es ist das Brot, das euch der HERR zu essen gegeben hat. 16 Das ist’s aber, was der HERR geboten hat: Ein jeder sammle, soviel er zum Essen braucht, einen Krug voll für jeden nach der Zahl der Leute in seinem Zelte.

17 Und die Israeliten taten’s und sammelten, einer viel, der andere wenig. 18 Aber als man’s nachmaß, hatte der nicht darüber, der viel gesammelt hatte, und der nicht darunter, der wenig gesammelt hatte. Jeder hatte gesammelt, soviel er zum Essen brauchte.

Stille

Halten Sie einen Moment Stille.

Nachdenken über den Text

Wenn Sie möchten, können Sie anhand der folgenden Fragen über den Text nachdenken.

  • Warum sind die Israeliten unzufrieden? Woran erinnern sie sich, wenn sie an Ägypten denken – und was haben sie vergessen?
  • Warum sollen sie nicht mehr sammeln, als sie brauchen?

Alternativ oder ergänzend können Sie auch die Predigt im Anhang (vor)lesen.

Lied: Wir pflügen und wir streuen (EG 508)

Fürbittengebet

Herr, Gott himmlischer Vater,

wir danken dir für alles, was du uns anvertraut hast.
Danke, dass wir aus Deiner Hand immer wieder bekommen, was wir zum Leben brauchen.

Und doch ist in diesem Jahr so manches ganz anders:
Die Pandemie lässt uns alle mit einmal ganz neu darüber nachdenken, wie gut wir es haben, und dankbar feststellen, wie gut du für uns sorgst. Wir danken dir, dass wir allzeit genug und vielseitig zu essen und zu trinken haben.

Wir bitten dich heute für unsere Ernte: lass das, was nun auf den Feldern steht, vollends gut heranwachsen und reifen. Danke für den Regen der letzten Wochen. Schenke das rechte Maß an Regen und Sonne, und bewahre uns vor Unwettern.

Begleite die Landwirtsfamilien, die für unsere Nahrung so hart arbeiten. Behüte sie, damit sie unversehrt durch die Erntezeit kommen. Bewahre sie Unfällen und Unfairem. Lass sie auch selber erleben, dass sie das bekommen, was sie brauchen.

Wir bitten dich für alle Kranken und Einsamen, welche heute nicht unter uns sein können. Wir sind traurig, weil wir sie zur Zeit nicht besuchen dürfen. Sie sind traurig, weil die Isolierung einsam macht. Sei ihnen nahe, schenke ihnen Trost und Hoffnung.

Wir bitten dich für alle Bauern und Hirten in dieser Welt, in Dürreregionen und Grenzertragsgebieten. Behüte sie und ihre Ernten vor Unheil und Gefahren. Schenke ihnen ausreichend Boden, Wasser, Nährstoffe, Licht, Sonne und Unterstützung, damit sie so viel ernten können, wie sie zum Essen brauchen.

Wir bitten dich für uns alle. Schenk uns deinen Geist der Liebe und Besonnenheit in dieser schwierigen Zeit. Heile unsere Selbstbezogenheit, wo Ängste uns zu leiten drohen. Schenke uns Umsicht, damit wir unsere Mitmenschen mit ihren Sorgen im Auge haben. Schenke uns das Vertrauen, dass du für uns alle sorgst.

Amen.

Abschluss: Vater unser im Himmel …

Schlusslied: Bewahre uns Gott, behüte uns Gott (EG 171)

Segen

Wenn Sie möchten, falten Sie die Hände zu einem „Segenskörbchen“.

Gott segne uns und behüte uns
Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns
und sei uns gnädig
Gott erhebe sein Angesicht auf uns
und schenke uns Frieden

Amen.

Stille

Kerze auspusten

Quellen:

Titelbild: (c) Zastrozhnovandrey | Dreamstime.com

Eingangsgebet und Fürbitte:
Materialien zum Erntebittgottesdienst 2020, Evang. Bauernwerk.

Diese Liturgie ist online abrufbar unter www.kirche-heuchlingen-heldenfingen.de

Predigt

Liebe Gemeinde,

März 2020. Die Zahl der Corona-Fälle nimmt auch bei uns zu. Die Menschen stürmen in die Läden. Klopapier brauchen sie, Nudeln und Hefe. Sie kaufen, als ob es das alles morgen nicht mehr gäbe. Und vor lauter Hamstern sind dann am Ende die Regale wirklich leer.

Ja, haben wir nicht eigentlich mehr als genug? Ein Privathaushalt wirft im Durchschnitt 85 kg Essen pro Jahr in den Müll. Wenn man auch noch dazu rechnet, was in der Lebensmittelindustrie, im Handel und der Gastronomie weggeworfen wird, dann werden jedes Jahr 13 Millionen Tonnen Nahrungsmittel verschwendet.[1]

Warum dann dieses Hamstern, das wir in diesem Frühjahr erlebt haben, wenn doch so viel da ist? Es zeugt von einer tiefliegenden Angst, die auch unser Wohlstand nicht vertreiben konnte.

Es ist eine Angst, die offenbar schon seit alters her in uns Menschen steckt, die uns reflexartig nach allem Greifen lässt, was wir bekommen können, sobald sich die ersten Schwierigkeiten abzeichnen.

Unser Predigttext heute erzählt auch von dieser Angst – und von einer Vertrauensübung.

Wüstenzeit

Seit eineinhalb Monaten sind die Israeliten nun unterwegs, auf ihrem Weg von der Sklaverei in die Freiheit. Doch woher sie kommen und wohin sie ziehen, das interessiert sie im Moment wenig. Denn auf einmal geht es ums nackte Überleben. Die Vorräte sind aufgebraucht, die letzte Oase liegt weit hinter ihnen, sie erfahren die Wüste mit all ihrer Härte. Tagsüber ist es brütend heiß, und nachts klirrend kalt. Die Wanderung zehrt an den Kräften. Die Sonne, der heiße Wind zehren die Menschen aus. Weit und breit ist kein Mensch, der ihnen helfen könnte.

Mitten in der Wüste geht es auf einmal um alles oder nichts.

Auch wenn die wenigsten von selbst schon einmal in der Wüste waren, kennen wir doch auch Wüstenzeiten in unserem Leben.

Denn die Wüste ist ein Symbol für unsere persönlichen Grenzsituationen, in denen unsere Verluste und Ängste sich zu Wort melden, die Zerreißproben unseres Lebens. Der Verlust des Arbeitsplatzes, eine Krankheit oder die Trauer um einen geliebten Menschen sind solche Wüstenzeiten in unserem Leben. Die Wüste ist in der Bibel die Welt, in der man völlig angewiesen ist auf Gott oder verdirbt.

Vielleicht ist das gerade auch unsere Situation – in dieser von Corona geprägten Zeit. Alles ist in Frage gestellt. So vieles, was selbstverständlich war, ist auf einmal nicht mehr möglich.

Die Nudeln und das Klopapier hätten wir nicht hamstern müssen. Sie gibt es immer noch. Aber es fehlen die menschlichen Begegnungen. Es fehlt das, was viele innerlich gestärkt hat; das, woran wir Freude haben und wo wir Energie getankt haben. Wo sind sie, die Feste, die man im Laufe des Sommers so feiert? Mit den Konfirmandenfamilien bin ich gerade im Gespräch, wann denn eigentlich Konfirmation sein kann. Die Dorffreizeit mussten wir absagen. Wir wissen noch nicht, welche Urlaubsziele im Sommer offen stehen. Und was wird im Herbst, im nächsten Winter sein? Können die Kinder nach den Ferien normal in die Schule gehen? So viele Abläufe müssen ganz neu erfunden werden, in so vielem muss man immer wieder neu überlegen: wie können wir es möglich machen – trotz aller Beschränkungen, trotz aller Vorsichtsmaßnahmen. Ganz viel fehlt in diesen Tagen – und es nichts dabei, was man bevorraten kann

Wir sind in eine Wüste geraten. Wir suchen nach dem Weg, der aus dieser Wüste führt; wir suchen danach, wie wir überleben können, solange wir noch in dieser Wüste sind. Müssten wir da nicht auch viel mehr nach Gott fragen? Sind wir in der Wüste, um zu erkennen, wie sehr wir auf ihn angewiesen sind?

Genug zum Leben

Wechseln wir einmal die Perspektive. Dem Volk Israel fehlt es wirklich am Notwendigsten. Und sie erleben, wie Gott sie versorgt.

Es ist eine Übung in Gottvertrauen, die sie durchstehen müssen. Gott sagt ihnen zu, dass er sie täglich versorgen wird. Das Brot fällt sprichwörtlich vom Himmel. Doch – und das ist die Vertrauensübung: niemand darf mehr sammeln, als er für einen Tag braucht. Es ist genug für alle da. Die Versuchung ist groß, auch gleich für den nächsten Tag zu sorgen. Wer weiß, ob dieser Segen auch am nächsten Tag vom Himmel fällt.

Mancher lässt sich verführen und sammelt, was er kann. Doch – oh Wunder – am Ende haben alle so viel im Krug, wie sie für den Tag brauchen. Und es bringt ihnen nichts, wenn sie sich davon etwas für den nächsten Tag aufsparen – denn über Nacht wird diese Speise ungenießbar.

Genug zum Leben – das haben auch wir. Und dennoch waren in den letzten Wochen immer wieder bestimmte Regale wie leergefegt. Dennoch sind die Läden vor einem langen Wochenende überfüllt, weil alle sich nochmals mit Lebensmitteln eindecken. Wir sehen die Fülle nicht als Zeichen dafür, dass wirklich genug da ist, dass wir uns keine Sorgen machen müssen. Im Gegenteil, weil es so viel gibt, kaufen wir mehr als wir brauchen – und werfen es am Ende weg. Unser Gehirn, so sagen Wissenschaftler, speichert die ständigen Billigangebote, die auf uns einprasseln, als etwas Positives ab[2]. Darum können wir vom Billigen nicht genug bekommen – vor allem beim Essen. Weil Essen nicht viel wert zu sein scheint, regiert der Bauch über den Verstand und Wegwerfen ist kein Problem mehr.

Durch den ständigen Überfluss, in dem wir leben, werden unsere Maßstäbe verschoben. Und so brauchen wir wohl einen neuen Maßstab, müssen sozusagen neu geeicht werden.

Neu geeicht werden

Wenn etwas geeicht wird – eine Waage zum Beispiel, oder die Messeinrichtung an der Zapfsäule – dann wird überprüft, ob diese Waage oder Messeinrichtung sich an einen festgelegten Standard hält – und bei Bedarf wird justiert und richtig eingestellt. So können wir sicher sein, dass ein Kilo ein Kilo ist, ein Meter ein Meter und ein Liter ein Liter.

Was aber ist der Maßstab, an dem wir uns neu ausrichten müssen?

Wenn wir heute für unsere Ernte bitten, wenn wir über den Überfluss an Nahrungsmitteln nachdenken, dann müssen wir sicher unsere Einstellung zur Nahrung überdenken.

Unsere Nahrung, das, was auf den Feldern und in Gärten wächst, auch die Tiere, die für die Fleischgewinnung gehalten werden, Kühe als Milchlieferanten und Hühner, von denen wir die Eier essen: all das müssen wir neu schätzen lernen als Lebensmittel, als etwas, das uns zum Leben dient.

Genau diese Wertschätzung der Nahrung finden wir auch in diesem Bericht über die himmlische Nahrung, mit der Gott sein Volk stärkt. Zehnmal ist davon die Rede, dass diese Nahrung „gesammelt“ werden muss.

Essen ist eben kein Industrieprodukt. Es ist uns gegeben, und wir dürfen aus dem schöpfen, was wir finden, was da ist. Bei aller Technisierung der Landwirtschaft ist das doch immer noch die Grundlage.

Niemand hat der Natur das Wachsen beigebracht, niemand kann ein Pflanze zum Wachsen zwingen.
Und kein Mensch kann das Wetter steuern. Sonne und Regen im rechten Maß sind ein Geschenk, ein Geschenk des Himmels.

Wir können dieses Geschenk nur mit Dankbarkeit annehmen, wenn am Ende der Ernte wieder für alle genügend da ist. Und mit der Dankbarkeit für diese äußeren Umstände dürfen wir auch dankbar sein für unsere Nahrung, für unser täglich Brot. Aus dieser Dankbarkeit kann dann auch eine neue Wertschätzung erwachsen – und mit der Wertschätzung vielleicht auch ein gerechter Preis.

Zu Goethes Zeiten wendeten Menschen 75 Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel auf, heute sind es nur noch 14 Prozent.

Was würde uns fehlen, wenn wir ein paar Prozent mehr für Lebensmittel ausgeben würden?

Und was würden wir gewinnen, wenn Landwirte vom Ertrag ihrer Arbeit wieder auskömmlich leben könnten?

Den Schaden, den wir anrichten, wenn Nahrungsmittel nichts mehr wert sind, haben wir vor Augen. Wenn es beim Fleisch auf den letzten Cent ankommt, dann werden Arbeiter in unserem Land auch 2020 wie moderne Sklaven behandelt, ohne Rücksicht auf ihre Gesundheit. Dann gefährdet das wirtschaftliche Interesse eines Großunternehmens die Gesundheit von hunderttausenden von Menschen.

Nitratbelastung im Grundwasser, Bienen- und Insektensterben, immer mehr Allergien und Unverträglichkeiten – wenn immer billiger immer mehr produziert werden muss, steigen die Nebenwirkungen ins Unerträgliche.

Wir müssen den Wert unserer Nahrung, der landwirtschaftlichen Erzeugnisse, der Arbeit der Bauern mit einem neuen Maßstab messen, bei dem am Ende nicht zu wenig rauskommt.

Aber wir brauchen auch noch im anderen Sinn einen neuen Maßstab.

Unsere Erzählung berichtet: am Sabbat durfte nicht gesammelt werden. Die Nahrung vom sechsten Tag reichte auch für den siebten. Einmal in der Woche war eine Unterbrechung angesagt, Ruhe und Erholung, Zeit zur Besinnung.

Die Corona-Pandemie hat unsere Wirtschaft, unsere ganze Gesellschaft zu einer Vollbremsung gezwungen. Nichts ging mehr. Doch statt innezuhalten, haben alle nur darauf hingearbeitet – und tun dies immer noch – so schnell wie möglich zu dem üblichen Betrieb zurück zu kehren. Aber vielleicht wäre das jetzt dran gewesen? Innehalten, Pause machen, nachdenken, sich neu sortieren? Nicht zurück zum Alten – sondern ausrichten auf eine neue Normalität. Also sich neu orientieren, neu eichen lassen – vielleicht auf Werte, die schon beinahe vergessen sind?

Der Sonntag als Tag der Erholung könnte dazu gehören. Damit wir neu schätzen lernen, was uns zum Leben gegeben ist. Dass wir auch wieder entdecken, wem wir unser Leben und unser Überleben letztlich verdanken:

Dem Gott, der bei uns ist und mit uns geht. Dem Gott, der uns schenkt, was wir brauchen: das tägliche Brot, seine Nähe, Liebe, Zuwendung, Trost und eine tiefe Geborgenheit. Ja, Gott sorgt für seine Leute in der Wüste. Damals und heute. Und gerade die Wüste kann ein Ort sein der Begegnung mit den Gaben Gottes und mit Gott selbst. Amen.

Rolf Wachter


[1] https://www.zeit.de/wissen/2019-05/lebensmittelverschwendung-haushalte-essen-muell-deutschland

[2] Winfried Neun (Verhaltensökonom), Hohenloher Tagblatt, 3. Februar 2020, S. 2