Hausandacht für den 6. Sonntag nach Trinitatis am 19. Juli 2020

Hinweis: Bislang haben wir die Hausandacht doppelt im Internet bereitgestellt: in Form einer Internetseite wie dieser hier, und als PDF-Datei zum Download (diese finden Sie oben im Menü unter Gottesdienste / Hausandachten)
Künftig möchten wir nur noch die PDF-Datei anbieten. Sollten Sie aber Schwierigkeiten mit dem Download und der Anzeige einer PDF-Datei haben, geben Sie uns bitte Bescheid - damit wir ggf. das untenstehende Format ebenfalls beibehalten können. Wenn wir keine Mitteilungen über mögliche Probleme erhalten, wird ab dem 26. Juli nur noch die PDF-Datei angeboten.

Geliebt und erwählt

Vorbereitung

Räumen Sie beiseite, was die Gedanken abschweifen lässt. Nehmen Sie sich bewusst Zeit.

Nehmen sie für die Lieder ein Gesangbuch zur Hand.

Wenn es möglich ist, singen Sie die die Lieder. Vielleicht haben Sie sogar ein Begleitinstrument. Wenn Sie nicht singen können oder wollen, sprechen Sie die Strophen laut. Das gilt übrigens für alle Texte: sprechen und lesen Sie laut, auch wenn Sie alleine sind. So nehmen Sie die Texte viel bewusster wahr und sie entfalten ihre ganze Kraft.

Wenn alle Mitfeiernden Platz genommen haben, zünden Sie eine Kerze an.

Kerze anzünden

Eröffnung

Einer:        Wir feiern diese Andacht in der Gegenwart des dreieinigen Gottes und sprechen:

Alle:           Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Einer:        Der Wochenspruch für diesen Sonntag ermutigt uns mit Worten des Propheten Jesaja:
So spricht der Herr, der dich geschaffen hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! (Jesaja 43,1)

Lied: Ich bin getauft auf Deinen Namen (EG 200)

Psalmgebet und Ehr sei dem Vater (Psalm 139 / EG 754)

Herr, du erforschest mich
und kennest mich.

Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es;
du verstehst meine Gedanken von ferne.

Ich gehe oder liege, so bist du um mich
und siehst alle meine Wege.

Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge,
das du, Herr, nicht schon wüsstest.

Von allen Seiten umgibst du mich
und hältst deine Hand über mir.

Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch,
ich kann sie nicht begreifen.

Wohin soll ich gehen vor deinem Geist,
und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?

Führe ich gen Himmel, so bist du da;
bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.

Nähme ich Flügel der Morgenröte
und bliebe am äußersten Meer,

so würde auch dort deine Hand mich führen
und deine Rechte mich halten.

Spräche ich: Finsternis möge mich decken
und Nacht statt Licht um mich sein –,

so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir,
und die Nacht leuchtete wie der Tag.
Finsternis ist wie das Licht.

Denn du hast meine Nieren bereitet
und hast mich gebildet im Mutterleibe.

Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin;
wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.

Es war dir mein Gebein nicht verborgen,
als ich im Verborgenen gemacht wurde,
als ich gebildet wurde unten in der Erde.

Deine Augen sahen mich,
als ich noch nicht bereitet war,

und alle Tage waren in dein Buch geschrieben,
die noch werden sollten und von denen keiner da war.

Aber wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken!
Wie ist ihre Summe so groß!

Wollte ich sie zählen, so wären sie mehr als der Sand:
Am Ende bin ich noch immer bei dir.

Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz;
prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine.

Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin,
und leite mich auf ewigem Wege.

Psalm 139,1-18.23.24

Ehr sei dem Vater und dem Sohn
und dem Heiligen Geist,

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar
und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Eingangsgebet

Herr, unser Gott, lieber himmlischer Vater!

Nur du kennst unsere Gedanken und weißt, wie wir heute zu dir in diesen Gottesdienst gekommen sind. Voller Freude und Zuversicht – oder voller Zweifel und Ängste. Vielleicht stehen wir auch irgendwo in der Mitte. Du aber kennst uns und willst uns dienen! Dafür danken wir dir und loben dich.

So beten wir dich an und erbitten uns von dir, dass du unser Herz öffnest, damit wir hören können, was du uns sagen willst. Gib uns ein Herz für für dein Wort und ein Wort für unser Herz.

In der Stille kommen wir vor dich. Höre, was ein jeder, eine jede dir heute zu sagen hat

Stille

Abschluss der Stille mit:

Einer:        Herr, tue meine Lippen auf

Alle:           dass mein Mund deinen Ruhm verkündige.

Einer:        Gott, gedenke mein nach deiner Gnade.

Alle:           Herr, erhöre mich mit deiner treuen Hilfe.

Liedvers: Meine Hoffnung und meine Freude – EG 576

Meine Hoffnung und meine Freude, / meine Stärke, mein Licht: / Christus, meine Zuversicht, / auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht, / auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht.

Lesung des Predigttextes: 5. Mose 7,6-12: Gott hat sich das kleinste Volk erwählt

6 Denn du bist ein heiliges Volk dem HERRN, deinem Gott. Dich hat der HERR, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind. 7 Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern –, 8 sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat. Darum hat er euch herausgeführt mit mächtiger Hand und hat dich erlöst von der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten. 9 So sollst du nun wissen, dass der HERR, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten, 10 und vergilt ins Angesicht denen, die ihn hassen, und bringt sie um und säumt nicht, zu vergelten ins Angesicht denen, die ihn hassen. 11 So halte nun die Gebote und Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, dass du danach tust. 12 Und wenn ihr diese Rechte hört und sie haltet und danach tut, so wird der HERR, dein Gott, auch halten den Bund und die Barmherzigkeit, wie er deinen Vätern geschworen hat.

Stille

Halten Sie einen Moment Stille.

Nachdenken über den Text

Wenn Sie möchten, können Sie anhand der folgenden Fragen über den Text nachdenken.

  • Warum hat Gott Israel erwählt?
  • Was hat er für sein Volk getan?
  • Was ist seine Erwartung an sein Volk?

Alternativ oder ergänzend können Sie auch die Predigt im Anhang (vor)lesen.

Lied: Wunderbarer König (EG 327)

Fürbittengebet

Herr Jesus Christus!

Du hast uns in deine Nachfolge gerufen.
Wir sind nicht besser als die Menschen um uns her und doch hast du gerade uns eingeladen. Wir danken dir dafür. Deine Liebe gilt jedem Einzelnen von uns, und wir erkennen deine Barmherzigkeit und dein Erbarmen.

Wenn du uns aber gerufen hast, dann wollen wir deinen Ruf auch weitergeben, denn du liebst alle Menschen! So bitten wir dich: Öffne uns die Augen für die Menschen in unserer Umgebung, die auf der Suche nach Lebenssinn sind.

Schenke uns Worte, die öffnen und nicht abstoßen. Gib uns Mut zu Taten, die einladen und nicht ausstoßen! Mach uns bereit, Trauernden zu begegnen, Kranke zu begleiten und Müde und Einsame zu tragen.

Du, Herr Jesus Christus, willst uns Mut geben, in diese Welt deine Liebe hinauszutragen. Lass uns deinen Mut annehmen, und schenke uns Freude, von dir zu erzählen.

Mit den Worten Jesu Christi beten wir: Vater unser im Himmel …

Schlusslied: Nun jauchzt dem Herren, alle Welt (EG 288)

Segen

Wenn Sie möchten, falten Sie die Hände zu einem „Segenskörbchen“.

Gott segne uns und behüte uns
Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns
und sei uns gnädig
Gott erhebe sein Angesicht auf uns
und schenke uns Frieden

Amen.

Stille

Kerze auspusten

 

 

 

 

Hinweise:

Am 26. Juli findet der Gottesdienst um 10.00 Uhr im Hungerbrunnental statt. Es soll ein „Gottesdienst mit allen“ sein, in dem auch Familien mit Kindern herzlich willkommen sind. In diesem Gottesdienst wird Jax Baumann aus Heuchlingen getauft.

Der Gottesdienst findet unabhängig von der Witterung im Freien statt. Wem es möglich ist, darf gerne eine eigene Sitzgelegenheit mitbringen; wir werden aber auch Bänke bereitstellen.

Die Gottesdienstliturgien liegen zukünftig erst ab Samstagvormittag in den Kirchen aus.

Quellen:

Titelfoto: gott.net

Diese Liturgie ist online abrufbar unter www.kirche-heuchlingen-heldenfingen.de

Predigt

Liebe Gemeinde,

gerade bin ich mit den Konfirmanden dabei, die Unterrichtsstunden nachzuholen, die im Frühjahr wegen Corona ausgefallen sind. Denn wir wollen ja auch die Konfirmation noch nachholen. (Das wird übrigens am 13. September in Heldenfingen und am 20. September in Heuchlingen der Fall sein.)

An den letzten beiden Mittwochen haben wir über das Thema „Taufe“ gesprochen. Das ist ja auch unser Thema heute, der 6. Sonntag nach Trinitatis steht unter der Überschrift „Aus der Taufe leben“. „Ich bin getauft auf Deinen Namen“, haben wir vorhin gesungen. Ein Lied, das uns vergegenwärtigt: unsere Taufe ist nicht nur ein Ereignis in grauer Vergangenheit, an das sich die wenigsten unter uns aktiv erinnern können. Wir dürfen uns heute darüber freuen, dass wir getauft sind, weil die Taufe als positives Vorzeichen über unserem Leben steht.

Im Konfirmandenunterricht haben wir überlegt, was wohl zur Taufe dazugehört, auf was man nicht verzichten kann: natürlich braucht es den Täufling und denjenigen, der tauft. Es braucht Wasser, und es muss die Taufformel gesprochen werden: „Ich taufe dich auf den Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Und wir haben darüber gesprochen, was die Taufe bedeutet – und was ganz besonders dann zum Ausdruck kommt, wenn ein Säugling getauft wird: die Taufe ist Zeichen von Gottes Erwählung. Gott sagt „Ja“ zu uns. Und dieses „Ja“ ist vollkommen unabhängig von dem, was wir leisten. Wir können Gott ja gar nichts bieten – und dennoch dürfen wir ganz eng zu ihm gehören.

Dieser Gedanke ist es wohl auch, der unseren heutigen Predigttext mit genau diesem Sonntag verbindet. Er erinnert das Volk Israel daran, dass es von Gott erwählt ist. Ich lese aus 5. Mose 7,6-12:

– Textlesung –

Von Gott erwählt – ohne Vorleistung

Liebe Gemeinde, liebe Geschwister. Israel. Ein kleines Volk, das sich zurückführt auf eine Familie, auf einen Mann: die Nachkommen Abrahams, Isaaks und Jakobs. Israel. Ein Landstreifen im Vorderen Orient, ein Land, das sich immer wieder gegen seine größeren Nachbarn behaupten muss. Das zieht sich durch die ganze Geschichte hindurch, bis in die Gegenwart hinein.

Eine Hungersnot führt die Söhne Jakobs nach Ägypten. Dort sind sie zunächst gern gesehene Gäste. Doch sie wachsen zu einem Volk an – und aus den Gästen wird eine Minderheit, die durch harte und grausame Sklavenarbeit ausgebeutet und unterdrückt wird.

Der Weg in die Freiheit führt durch die gefährliche Wüste, und ihr von Gott versprochenes Land müssen sie sich hart erkämpfen. Immer wieder wird das Volk Gottes in seiner Geschichte von Großmächten bedroht, oftmals erobert und zerstört, zum Teil deportiert.

Auch die inzwischen in alle Welt verstreuten Juden erleben durch die Jahrhunderte viel Feindschaft und Verfolgung, nicht zuletzt im „christlichen“ Europa; besonders barbarisch hier in unserem Land während der Zeit des Nationalsozialismus. Und auch heute erstarkt der Antisemitismus wieder, die Feindschaft gegenüber Israel und den Juden.

Was hat dieses Volk an sich, mag man sich da fragen, dass sich die Geister derart an ihm scheiden? Und auf der anderen Seite: was zeichnet dieses Volk aus, dass Gott sich seiner angenommen hat, dass Gott ausgerechnet es erwählt hat? Was an Israel hat Gott dazu bewogen, es zu „seinem“ Volk zu machen und es durch die Jahrtausende hindurch bis heute zu bewahren? Die Antwort, die wir heute von Mose hören, fällt unglaublich nüchtern aus: nichts! Gar nichts!

Abraham war kinderlos und ohne Landbesitz, als Gott ihn berief. In Ägypten waren die Israeliten arm und machtlos. Es war auch nicht so, dass Israel damals eine besondere Begabung gehabt hätte. Nichts, von dem Gott sich einen Gewinn hätte versprechen können. Was sie sind und haben, verdanken sie alleine Gott.

Am Beispiel von Israel wird überdeutlich: Gott macht das Kleine groß. Darum hat Gott Israel erwählt, und nicht Ägypten, nicht die Babylonier, nicht die Griechen und auch nicht die Römer. Viel zu groß wäre für diese Völker die Versuchung gewesen, dass sie sich erwählt fühlen, weil sie groß und stark sind, wegen ihrer kulturellen Leistung oder ihres Erfindungsreichtums. Gerade darum hat Gott Israel erwählt, dass es sich nichts auf eigene Leistung einbilden kann – sondern alles aus seiner Hand empfängt. Darüber kann man nur staunen. Israel ist auserwählt. Es ist etwas ganz Besonderes. Heilig. Gottes Eigentum. Anders als alle anderen Völker und Nationen auf dieser Welt. Was für ein Privileg. Was für eine Ehre. Was für eine Bevorzugung. Darüber kann man nur staunen.

Und wir? Was können wir Gott vorweisen? Sicher, wir sind heute in den Gottesdienst gekommen. Aber was ist das? Haben wir besonderen Glauben? Ich bitte Gott, dass er meinen Glauben nicht auf die Probe stellt. Sind wir besonders gehorsam? Ich kann es von mir nicht behaupten. Auch wir können nichts vorweisen – außer, dass Gott uns liebt.

Von Gott geliebt

Das Volk Israel ist von Gott geliebt. So beschreibt es der Predigtabschnitt. Gott hängt an diesem Volk, er hat sich an dieses Volk gehängt. Und durch diese Liebe gehören auch wir zu Gott.

Gott selber ist die Liebe, schreibt der Apostel Johannes[1]. Und so sehr „hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“[2]

Gott hat sein Volk ausgewählt, damit seine Liebe sichtbar wird. Und durch Jesus, seinen Sohn, der als einer aus diesem Volk geboren wurde und auf die Welt gekommen ist, strahlt diese Liebe in die ganze Welt hinaus. Die Evangelien berichten uns von dieser Liebe Jesu. Sie erzählen uns, wie Jesus die Menschen sieht und mit ihren Sorgen und Nöten wahrnimmt. Wie er sie lieb gewinnt und in sein Herz schließt. Wie er sich auch den Kindern zuwendet und ihnen seine Liebe zeigt, indem er sie in den Arm nimmt. Man muss nach diesen Beispielen gar nicht suchen – sie stehen alle in nur einem Kapitel des Markusevangeliums dicht beieinander.[3]

Durch Jesus ist diese Liebe auch zu uns gekommen. Als Menschen, die nicht zum Volk Israel gehören, sind wir mit hineingenommen in den Bund, den Gott mit seinem Volk geschlossen hat. Der Apostel Paulus sagt: wir waren wilde Triebe, und wurden auf den edlen Ölbaum Israels aufgepfropft.[4]

Ich frage nochmals: haben wir das verdient? Jeden Tag müssen wir doch aufs Neue feststellen, dass wir wieder etwas falsch gemacht haben. Hier ein falsches Wort, dort haben wir einen Menschen enttäuscht oder verletzt, da hätten wir uns mehr Zeit für einen Menschen nehmen sollen. Und gerade uns nimmt Gott in seinen Bund hinein? Es kann dafür nur einen Grund geben – Gottes Liebe und Barmherzigkeit. Eine Barmherzigkeit, an der Gott unerschütterlich festhält: „So sollst du nun wissen, dass der Herr, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten.“ Ja, da steht dann auch, dass Gott an denen Vergeltung übt, die sich gegen ihn wenden. Doch diese Vergeltung ist nicht mehr, als dass auf sie zurückfällt, was sie selbst angerichtet haben. Die Barmherzigkeit Gottes dagegen währt über Generationen hinweg.

Ja, Gottes Liebe fordert uns auch heraus. Wir müssen ihm unsere Liebe zu ihm nicht beweisen. Liebesbeweise sind doch immer dazu da, sich auch der Liebe des anderen zu vergewissern. Das müssen wir nicht. Auf Gottes Liebe ist Verlass. Aber weil Gott uns so sicher und so überwältigend und bedingungslos liebt, können wir diese Liebe auch weiter- und zurückgeben.

Gott selber macht es uns vor. Er kümmert sich um die Schwachen und Armen. Er setzt sich ein für die Witwen und Waisen, die Fremdlinge und Unterdrückten. Als Menschen, die von Gott geliebt sind, können wir uns in unserem Umfeld für andere einsetzen. Wir können denen helfen, die alleine nicht zurecht kommen. Wir können den Mund aufmachen und gegen Hass und Ausgrenzung einstehen.

Dann verhalten wir uns so, wie Mose es auch dem Volk Israel nochmals dringend aufträgt, so, wie es Gottes Geboten und Gesetzen und Rechten entspricht. Dann wird die Barmherzigkeit, die wir erfahren haben, auch in unserem Leben sichtbar. Eine Barmherzigkeit, die immer zuerst gibt, bevor sie fordert.

Das möchte ich am Schluss nochmals festhalten: Gott gibt, bevor er fordert. Erst hat Gott die Israeliten aus Ägypten herausgeführt. Erst hat er sie vor dem sicheren Tod durch den Pharao gerettet, der von seinem eigenen Volk als Gott verehrt wurde.

Dann erst kam Gott auf den Berg Sinai herab, um mit seinem Volk einen Bund zu schließen. Und schon damals hat sich Gott als der gezeigt, der den Menschen entgegenkommt, der sie begleitet und mit ihnen geht.

Religion ist fast immer davon gekennzeichnet, dass Menschen sich bemühen, eine Gottheit zu finden und ihr zu gefallen. Unser Gott geht den anderen Weg: er kommt auf uns zu, er bietet uns seinen Bund an, streckt uns seine Hand entgegen, damit wir sie voller Vertrauen ergreifen und mit ihm gehen.

Dazu sind wir durch unsere Taufe berufen. Nicht, weil wir besser oder klüger wären als irgendjemand sonst – sondern weil Gott, unser Vater, uns liebt.

Amen

Rolf Wachter


[1] 1. Johannes 4,8.16

[2] Johannes 3,16

[3] Markus 10,46 (Bartimäus); Markus 10,21 (der reiche Jüngling); Markus 10,13ff (Kindersegnung)

[4] Römer 11,17ff.