Hausandacht Palmsonntag – 5. April 2020

Überströmende Liebe

Brunnen im Kloster Maulbronn

Liebe Gemeindeglieder,
in der aktuellen Situation können wir uns nicht in den Kirchen treffen, um miteinander Gottesdienst zu feiern. Das bedeutet aber nicht, dass gar kein Gottesdienst mehr möglich wäre.

Gottesdienst bedeutet: wir singen und loben Gott – und wir lassen uns durch Gottes Gegenwart ermutigen. Auch zuhause können wir vor Gott kommen, beten und über ein Wort aus der Bibel nachdenken. Alleine oder gemeinsam mit denen, die in unserem Haushalt leben.

Dazu will diese Handreichung ermutigen. Sie ist ein Vorschlag zur Gestaltung einer Hausandacht. Die einzelnen Texte können gerne auf möglichst viele Mitfeiernde verteilt werden.

Wenn es möglich ist, singen Sie die die Lieder. Vielleicht haben Sie sogar ein Begleitinstrument. Wenn Sie nicht singen können oder wollen, sprechen Sie die Strophen laut.

Das gilt übrigens für alle Texte: sprechen und lesen Sie laut, auch wenn Sie alleine sind. So nehmen Sie die Texte viel bewusster wahr und sie entfalten ihre ganze Kraft.

Vorbereitung

Räumen Sie beiseite, was die Gedanken abschweifen lässt. Nehmen Sie sich bewusst Zeit.

Nehmen sie für die Lieder ein Gesangbuch zur Hand.

Wenn alle Mitfeiernden Platz genommen haben, zünden Sie eine Kerze an.

Kerze anzünden

Eröffnung

Einer:       Wir feiern diese Andacht in der Gegenwart des dreieinigen Gottes und sprechen:

Alle:          Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Einer:       Der Wochenspruch für diesen Sonntag und die kommende Woche steht im Johannesevangelium:

Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.
(Johannes 3,14.15)

Eingangslied: Jesus zieht in Jerusalem ein (EG 314)


EG 314 Jesus zieht in Jerusalem ein
Text + Melodie: Gottfried Neubert
Ensemble: Vocifer, Evang. Stift Tübingen

Psalmgebet und Ehr sei dem Vater
(Psalm 69 / EG 731)

Gott, hilf mir!
Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle.

Ich versinke in tiefem Schlamm,
wo kein Grund ist;

ich bin in tiefe Wasser geraten,
und die Flut will mich ersäufen.

Ich habe mich müde geschrien,
mein Hals ist heiser.

Meine Augen sind trübe geworden,
weil ich so lange harren muss auf meinen Gott.

Ich aber bete zu dir, Herr, zur Zeit der Gnade;
Gott, nach deiner großen Güte erhöre mich mit deiner treuen Hilfe.

Errette mich aus dem Schlamm,
dass ich nicht versinke,

dass ich errettet werde vor denen, die mich hassen,
und aus den tiefen Wassern;

dass mich die Flut nicht ersäufe und die Tiefe nicht verschlinge
und das Loch des Brunnens sich nicht über mir schließe.

Erhöre mich, Herr, denn deine Güte ist tröstlich;
wende dich zu mir nach deiner großen Barmherzigkeit

und verbirg dein Angesicht nicht vor deinem Knechte,
denn mir ist angst; erhöre mich eilends.

Nahe dich zu meiner Seele und erlöse sie,
Gott, deine Hilfe schütze mich!

Ehr sei dem Vater und dem Sohn
und dem Heiligen Geist,
wie es war im Anfang,
jetzt und immerdar
und von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

Eingangsgebet

Einer:       Herr, tue meine Lippen auf

Alle:          dass mein Mund deinen Ruhm verkündige.

Einer:       Gott, gedenke mein nach deiner Gnade.

Alle:          Herr, erhöre mich mit deiner treuen Hilfe.

Gott, unser Vater,
du bist in deinem Sohn Jesus Christus zu uns gekommen, du bist eingekehrt in unsere Welt. Du hast uns nicht allein gelassen mit unseren Sorgen und Ängsten. Wir möchten dich aufnehmen in unsere Familien und Häuser, wir sehnen uns nach deiner Nähe.

Und doch fällt es uns immer wieder schwer, dir zu folgen, wohin du uns gerufen hast. Wir sind zurückgewichen, wo du deine Hand nach uns ausgestreckt hast. Auch wir haben dich alleine gelassen, als du uns in deinen Dienst nehmen wolltest.

So bitten wir dich für diese Stunde: Zieh trotz allem in unsere Herzen ein und mach uns bereit für dein Kommen zu uns. Amen

Liedvers: Meine Hoffnung und meine Freude – EG 576

Meine Hoffnung und meine Freude, / meine Stärke, mein Licht: / Christus, meine Zuversicht, / auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht, / auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht.

Lesung des Predigttextes: Markus 14,3-9

3 Und als er in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Glas mit unverfälschtem und kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Glas und goss es auf sein Haupt. 4 Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? 5 Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an.

6 Jesus aber sprach: Lasst sie in Frieden! Was betrübt ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. 7 Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. 8 Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt für mein Begräbnis. 9 Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in aller Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie jetzt getan hat.

Stille

Halten Sie einen Moment Stille.

Nachdenken über den Text

Wenn Sie möchten, können Sie anhand der folgenden Fragen über den Text nachdenken.

Alternativ oder ergänzend können Sie auch die Predigt im Anhang (vor)lesen.

Lied: Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen (EG 81, 1–4+6+9-11))

Dieses Lied können Sie hier anhören (öffnet neue Seite).


EG 81 Herzliebster Jesu
Text: Johann Heermann
Melodie: Johann Krüger

Fürbittengebet

Herr Jesus Christus,
du wurdest einst in Jerusalem begeistert empfangen.
Wie begrüßen und empfangen wir dich?
Wie erwarten wir deine Gegenwart,
wo rechnen wir mit dir in unserem Leben?

Du kommst den untersten Weg,
den Weg, den keiner von uns gehen will.
Doch dein Weg ist der Weg der Liebe.

In diesen Tagen sehen wir;
wie unserem Streben nach immer neuen Erfolgen,
immer höheren Gewinnen
und ständig neuen Erlebnissen ein plötzliches Ende gesetzt wurde.

Stärke uns, dass wir dir auf deinem Weg folgen,
lass uns nicht nur nach dem immer Höheren trachten,
sondern den Weg der Liebe suchen.

Schenke uns Kraft, einander zu lieben und zu achten,
aufeinander zuzugehen
und aufmerksam zu sein für die Bedürfnisse unserer Nächsten.
Gib uns Mut und Phantasie,
einander zu unterstützen und zu stärken –
so gut es in diesen Zeiten möglich ist.

Wir bitten dich für die Menschen,
die voller Angst in die Zukunft blicken,
die sich sorgen um ihren Arbeitsplatz oder ihren Betrieb.

Sei du bei den Kranken und ihren Angehörigen,
den Pflegekräfte und Ärzten,
bei allen, die nun dafür sorgen, dass unser Land nicht ins Chaos stürzt.
Stärke sie und gib ihnen, was sie jetzt nötig haben.

Erfülle uns mit Deiner Liebe und lass uns diese Liebe weitergeben.

Vaterunser

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Schlusslied: Jesu, meines Lebens Leben (EG 86,1+2+8)

Dieses Lied können Sie hier anhören (öffnet neue Seite).


EG 86 Jesu, meines Lebens Leben
Text: Ernst Christoph Homburg 1659
Melodie: Wolfgang Weßnitzer 1652

Segen

Wenn Sie möchten, falten Sie die Hände zu einem „Segenskörbchen“.

Gott segne uns und behüte uns
Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns
und sei uns gnädig
Gott erhebe sein Angesicht auf uns
und schenke uns Frieden

Amen.

Stille

Kerze auspusten

Quellen:

Titelbild: Bastian Gläßer – own workf, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1085548

Gebete: nach Stephan Goldschmidt, Denn du bist unser Gott, S. 136ff.

Diese Liturgie ist online abrufbar unter www.kirche-heuchlingen-heldenfingen.de

Predigt zu Markus 14,3-9

Liebe Gemeinde,

eine kleine Geste mit großer Wirkung – so könnte man diese Episode, die Markus da berichtet, zusammenfassen.

Ich stelle mir vor, wie die Frau in das Zimmer gehuscht kommt, leise, damit sie nicht schon an der Tür aufgehalten wird. Mit schnellen Schritten geht sie direkt auf Jesus zu. Das Fläschchen mit dem Salböl hält sie schon in der Hand. Und kaum, dass sie Jesus erreicht hat, bricht sie den Flaschenhals ab und lässt das Öl auf Jesu Kopf fließen. So schnell geht das alles vor sich, dass auch Jesus es erst realisiert, als schon alles vorüber ist. Es musste so schnell gehen, sonst hätte jemand die Frau an ihrem Vorhaben gehindert.

Einen Moment ist es ganz still, ehe die Diskussionen beginnen und alle durcheinander reden. Mit gesenktem Kopf steht die Frau hinter Jesus, den zerbrochenen Flakon hält sie noch in den Händen. Wild gestikulierend reden die Männer auf sie ein: „Was willst Du hier? Mach, dass Du wegkommst!“ „Geschlossene Gesellschaft! Hier ist kein Platz für Dich.“ Und diese Vorwürfe: „Wie konntest Du nur! Das wertvolle Öl!“ „Wie viel Gutes hätte man mit dem Erlös tun können!“ Vielleicht auch die Frage, woher sie das Öl überhaupt hat, wie sie sich das leisten kann. So reden und gestikulieren sie wild durcheinander. Eine kleine, stille Geste, die große Wirkung entfaltet, zu einem großen Aufruhr führt.

Nur die Frau steht still da, lässt den Kopf hängen, ist enttäuscht und verletzt. Sie wollte doch Jesus eine Freude bereiten. Sie wollte ihm alles geben, was sie hat. Genießen wollte sie diesen Moment. Und nun machen diese lauten Männer alles kaputt. So stelle ich mir diese Szene vor. Und noch einer ist ganz ruhig, in meiner Vorstellung. Das ist Jesus. Mit sanfter Stimme sagt er: „Lasst sie in Frieden! Was betrübt ihr sie?“

Jesus hat verstanden, was diese Frau zu ihm geführt hat. Sie gibt ihm alles, was sie hat. So groß ist ihre Liebe, ihre Hingabe an Jesus. Vielleicht hatte Jesus sie von einer Krankheit geheilt. Vielleicht hatte sie bei ihm Vergebung ihrer Schuld erfahren und konnte ein neues Leben beginnen. Wir kennen die Verbindung nicht, die es zwischen Jesus und dieser Frau gab. Ab wir ahnen: da geht es um etwas ganz Entscheidendes.

Wir wollen Jesus ganz vertrauen, sagen wir. Diese Frau zeigt uns, was wirkliches Vertrauen ist. Dieses wertvolle Salböl – es war ihre Rücklage für schlechte Tage, ihr Erspartes für das Alter. Sie gibt es Jesus, sie opfert es für ihn – im Vertrauen darauf, dass sie das nicht bereuen wird, dass sie auch ohne dieses Fläschchen im Alter versorgt sein wird.

Können wir Jesus so vertrauen? Ich würde mir das wünschen: dass ich Jesus unsere jetzige Situation, meine Situation so bedingungslos übergeben könnte. Dass ich mir keine Sorgen machen müsste um die Gesundheit der Menschen um mich herum, um meine Eltern, meine Frau und meine Kinder, um meine eigene Gesundheit. Dass ich das alles loslassen könnte weil ich weiß: Jesus wird es gut machen – ganz gleich, wie es auch kommt. Solches Vertrauen sehe ich in dem, was die Frau tut.

Und Jesus sieht noch mehr: er erkennt in dem, was die Frau tut, einen Bezug zu dem Weg, der vor ihm liegt. Es musste sein, es war nötig, dass diese Frau Jesus salbt – damit er seinen Weg gehen kann als der König der Welt. Damit er am Kreuz sterben kann – als der Gesalbte, als der Messias. Als der Sohn Gottes, der unsere Schuld, unser Versagen, unsere Kleingläubigkeit trägt.

Jesus durchschaut die vorgeschobenen Argumente seiner Tischgenossen: „Man hätte es den Armen geben können.“ Diese Argumente gibt es auch in unserer Zeit. „Mit dem Geld, das wir für Flüchtlinge aufwenden, hätte man den Armen in unserem Land helfen können!“ „Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen“, sagt Jesus. „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“[1] Manchmal muss man einfach Dinge tun – zu einer bestimmten Zeit, unter bestimmten Umständen, in der Gewissheit, dass es richtig ist. So entscheiden auch die Politiker und anderen Verantwortlichen in diesen Tagen, in denen sich eine neuartige Krankheit über die ganze Welt ausbreitet. Sie fassen unpopuläre Entscheidungen, beschränken unsere Rechte, nehmen verheerende wirtschaftliche Auswirkungen in Kauf – weil sie in der Gewissheit handeln, dass dies nun richtig ist, dass es auf Geld und Vermögen jetzt nicht ankommt.

„Man hätte es den Armen geben können.“ Wenn diesen Männern die Armen so wichtig sind – warum haben sie ihnen dann nicht schon längst geholfen? Die Kritiker spielen den Liebesbeweis, die Hingabe der Frau an Jesus aus gegen die Fürsorge für die Armen, gegen die Nächstenliebe.

Für Jesus gehört beides zusammen. Da, wo die Hingabe zu Jesus, die Liebe zu ihm mein Leben prägt, da kann ich frei werden zur Liebestat für andere. Wenn ich die Liebe Gottes für mein Leben angenommen habe, dann kann ich anderen Menschen mit Liebe begegnen.

Gerade wir Christen sind dazu aufgerufen, sozial und diakonisch zu handeln, für Schwächere einzustehen, Benachteiligten zu helfen, Arme zu unterstützen, füreinander da zu sein. Denn diese Nächstenliebe hat ihren Grund in der Liebe Jesu zu uns. Diese Liebe trägt uns – und wenn sie uns erfüllt, dann sie treibt uns an, weiterzugeben.

Mir kommt dazu der Brunnen im Kloster von Maulbronn in den Sinn. Drei Schalen sind übereinander angeordnet. Das Wasser fließt zunächst in die oberste Schale und füllt diese, bis sie überläuft. Dann ergießt es sich in die mittlere Schale, und zuletzt in die unterste. Die Liebe Gottes fließt in unser Leben, will uns erfüllen – und sie will durch uns und aus uns heraus weiter fließen zu den Menschen in unserer Familie, unserer Nachbarschaft, zu denen, die unsere Hilfe brauchen.

Solange das Wasser aus der obersten Schale sprudelt, wird immer für alle genügend da sein. Wir dürfen uns der Liebe Gottes gewiss sein. Sie wird niemals versiegen. Und so dürfen wir fröhlich geben und füreinander da sein.

Eine kleine Geste der Hingabe wollte diese Frau Jesus erweisen. Diese Gerste entfaltete große Wirkung – noch heute ist die Tat dieser Frau auf der ganzen Welt bekannt.

Kleine Gesten, getragen und angetrieben von der Liebe Jesu, werden auch heute noch große Wirkung entfalten.

Amen

Rolf Wachter

Für die Karwoche liegt eine Anregung für ein Hausgebet aus.

Am Gründonnerstag wird vormittags eine Hausandacht für Karfreitag ausgelegt.

Am Karsamstag folgt ein Entwurf für Ostern.


[1] Matthäus 25,35.40