Quasimodogeniti – 19. April 2020

Getragen von Gott

Liebe Gemeindeglieder,
in der aktuellen Situation können wir uns nicht in den Kirchen treffen, um miteinander Gottesdienst zu feiern. Das bedeutet aber nicht, dass gar kein Gottesdienst mehr möglich wäre.

Gottesdienst bedeutet: wir singen und loben Gott – und wir lassen uns durch Gottes Gegenwart ermutigen. Auch zuhause können wir vor Gott kommen, beten und über ein Wort aus der Bibel nachdenken. Alleine oder gemeinsam mit denen, die in unserem Haushalt leben.

Dazu will diese Handreichung ermutigen. Sie ist ein Vorschlag zur Gestaltung einer Hausandacht. Die einzelnen Texte können gerne auf möglichst viele Mitfeiernde verteilt werden.

Wenn es möglich ist, singen Sie die die Lieder. Vielleicht haben Sie sogar ein Begleitinstrument. Wenn Sie nicht singen können oder wollen, sprechen Sie die Strophen laut.

Das gilt übrigens für alle Texte: sprechen und lesen Sie laut, auch wenn Sie alleine sind. So nehmen Sie die Texte viel bewusster wahr und sie entfalten ihre ganze Kraft.

Vorbereitung

Räumen Sie beiseite, was die Gedanken abschweifen lässt. Nehmen Sie sich bewusst Zeit.

Nehmen sie für die Lieder ein Gesangbuch zur Hand.

Wenn alle Mitfeiernden Platz genommen haben, zünden Sie eine Kerze an.

Kerze anzünden

Eröffnung

Einer:       Wir feiern diese Andacht in der Gegenwart des dreieinigen Gottes und sprechen:

Alle:          Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Einer:       Der Wochenspruch für diesen Sonntag und die kommende Woche steht im 1. Petrusbrief:

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. (1. Petrus 1,3)

Neu anfangen können, selbst wenn uns die alte Welt noch umgibt, ein neues Leben ohne die Fehler des alten, kann das wirklich gelingen? Im Diesseits das Jenseits erfahren, in dieser Zeit schon spüren, was Ewigkeit heißt?  Die Auferstehung Christi hat ein neues Licht in unsere Welt gebracht. In seinem Licht erscheint auch unser Leben neu. Durch ihn sind wir zu Kindern des Lichtes berufen. Quasimodogeniti heißt dieser Sonntag – „wie die neugeborenen Kinder“ – das ist uns verheißen, das sollen wir schon jetzt sein, das sind wir durch die Taufe geworden, vertrauensvoll im Glauben auf das Wort, das uns herausruft. 

Eingangslied: Er ist erstanden, Halleluja (EG 116)


EG 116 Er ist erstanden, Halleluja
Text: Slrich S. Leupold nach Bernard Kyamanywa
Melodie: Bernhard Kyamanywa 1968
Ensemble: Jugendkantorei Stuttgart-Vaihingen
Aufnahmeort: Petruskirche Renningen

Psalmgebet und Ehr sei dem Vater (Psalm 116 / EG 746)

Sei nun wieder zufrieden, meine Seele;
denn der Herr tut dir Gutes.

Denn du hast meine Seele vom Tode errettet,
mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten.

Ich werde wandeln vor dem Herrn
im Lande der Lebendigen.

Wie soll ich dem Herrn vergelten
all seine Wohltat, die er an mir tut?

Ich will den Kelch des Heils nehmen
und des Herrn Namen anrufen.

Dir will ich Dank opfern
und des Herrn Namen anrufen.

Ich will meine Gelübde dem Herrn erfüllen
vor all seinem Volk

in den Vorhöfen am Hause des Herrn,
in dir, Jerusalem. Halleluja!

Ehr sei dem Vater und dem Sohn
und dem Heiligen Geist,
wie es war im Anfang,
jetzt und immerdar
und von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

Eingangsgebet

Einer:       Herr, tue meine Lippen auf

Alle:          dass mein Mund deinen Ruhm verkündige.

Einer:       Gott, gedenke mein nach deiner Gnade.

Alle:          Herr, erhöre mich mit deiner treuen Hilfe.

Du, Gott, verwandelst uns, dass wir uns neugeboren fühlen und spüren, wie Leben erwacht. Erfülle uns mit dem Mut und der Freude, die du uns allen bereitest in der Auferstehung deines Sohnes Jesus Christus, unseres Bruders unter den Menschen, unseres Herrn für Zeit und Ewigkeit.

Liedvers: Meine Hoffnung und meine Freude – EG 576

Meine Hoffnung und meine Freude, / meine Stärke, mein Licht: / Christus, meine Zuversicht, / auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht, / auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht.

Lesung des Predigttextes: Jesaja 40,26-31

26 Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt. 27 Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht vor meinem Gott vorüber«? 28 Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. 29 Er gibt dem Müden Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden. 30 Männer werden müde und matt, und Jünglinge straucheln und fallen; 31 aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden

Stille

Halten Sie einen Moment Stille.

Nachdenken über den Text

Wenn Sie möchten, können Sie anhand der folgenden Fragen über den Text nachdenken.

  • Die Aufforderung in v. 26 schließt sich an die vorhergehenden Verse an. Schon ab v. 12 bringen (rhetorische) Fragen uns zum Nachdenken über Gottes Größe und Allmacht.
  • Was bedeutet die Allmacht Gottes für uns –  und wie kann uns der Gedanke an seine Allmacht trösten?
  • In welcher Situation fühlen wir uns von Gott verlassen (v. 27) – und wie gehen wir damit um?
  • Was könnte es heißen, auf Gott zu „harren“?

Alternativ oder ergänzend können Sie auch die Predigt im Anhang (vor)lesen.


EG 511 Weißt Du wieviel Sternlein stehen
Text: Wilhelm Hey 1837
Melodie und Satz: Volkslied um 1809/ Rainer Bohm
Ensemble: S Kinderkantorei Stuttgart-Vaihingen
Aufnahmeort: Petruskirche Renningen

Lied: Weißt du wieviel Sternlein stehen
(EG 511)

Fürbittengebet

Allmächtiger Gott, aus Deiner Schöpferkraft entspringt alles, was ist.
Dir glauben wir, dass du in allen Kräften der Welt nach deinem Willen wirkst. In dir ist das Undenkbare möglich und selbst der Tod ist überwunden in dir.

So bitten wir dich: Gib dem Müden Kraft! Erbarme dich der Kranken und Sterbenden, aller im Krieg Verwundeten, der Einsamen und Irrenden,  derer, die haltlos treiben durch die Tage ihres Lebens,  der Suchenden und der Enttäuschten,  aller, die nur sich selbst vertrauen und darüber verzweifeln. In dir ist Hoffnung.

Wir bitten für alle,  die auf dich, den Herrn, harren!  Für die weltweite Kirche in ihrer Unruhe, die sie hat zu dir, für die Fragenden, für die Zweifelnden, für alle, die einen Weg suchen zu dir und ihn nicht finden, für alle, die von ihrer Kirche enttäuscht sind,  für unsere Gemeinde in ihrer Enge und in ihrer Berufung, für unsere Schwestern und Brüder in der ganzen Welt.

Wir beten in diesen Wochen für alle, die durch die Corona-Krise besonders bedroht, betroffen und beansprucht sind: für sogenannte Risikogruppen, für Mediziner und Pflegekräfte, für Betreuer von alten Menschen und Behinderten. Wir danken für die Einsatzbereitschaft, die sich in vielen Bereichen zeigt, in der Versorgung, in den Nachbarschaften, für die geweckte Phantasie, Hilfe zu bieten. Wir danken für Rücksicht, Verantwortung und Achtsamkeit im öffentlichen Leben, für maßvolle Entscheidungen in der Politik Wir danken mit allen Genesenden. Wir gedenken aller Verstorbenen und derer, die um sie trauern.

Allmächtiger Gott, lass uns wandeln und nicht matt werden,  gebettet in deine Kraft,  die uns trägt und schafft und vollendet in deinem Willen, in deinem Geist, in der Auferstehung deines Sohnes von den  Toten.

Vaterunser

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Schlusslied: Wir wollen alle fröhlich sein (EG 100)

Dieses Lied können Sie hier anhören (öffnet neue Seite).


EG 100 Wir wollen alle fröhlich sein
Text: Medingen / Cyriakus Spangenberg 1568
Melodie: Hohenfurt 1410

Segen

Wenn Sie möchten, falten Sie die Hände zu einem „Segenskörbchen“.

Gott segne uns und behüte uns
Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns
und sei uns gnädig
Gott erhebe sein Angesicht auf uns
und schenke uns Frieden

Amen.

Stille

Kerze auspustEN

Quellen:

Titelbild: Jean Beaufort CC0 Public Domain

Gebete: nach Reinhard Brandhorst, www.evangelische-liturgie.de

Diese Liturgie ist online abrufbar unter
www.kirche-heuchlingen-heldenfingen.de

Predigt

Liebe Gemeinde,

ein kleines Virus, das so winzig ist, dass man schon ein Elektronenmikroskop braucht, um es überhaupt sehen zu können, versetzt die Menschheit in Angst und Schrecken und legt die Weltwirtschaft mehr oder weniger lahm. Deutlicher als wohl alle anderen Schreckensereignisse der letzten Jahrzehnte zeigt uns die derzeitige Lage, wie verletzlich unsere Welt ist und wie begrenzt unsere menschlichen Möglichkeiten sind.

Auch in Deutschland kommen Ärzte in diesen Tagen immer wieder an die Grenzen ihrer Möglichkeiten, kann auch die beste Medizintechnik am Ende Leben nicht retten. Und derweil haben uns die Schutzmaßnahmen im Griff. Wir verzichten auf soziale Kontakte, bleiben zuhause, beschäftigen uns mit uns selber. Für jüngere Menschen, die vielleicht sogar täglich noch zur Arbeit gehen, mag das alles ganz erträglich sein. Doch wie geht es den Älteren – die erst recht zu Hause bleiben sollen, und bei denen nun noch weniger Besuch vorbeischaut als es vielleicht bisher schon war? Wie schlimm mag es sein, wenn jemand im Krankenhaus liegt und nicht besucht werden darf; wenn ein Mensch allein sterben muss, weil die Angehörigen nicht zum Abschiednehmen ins Heim gelassen werden?

Sicher sind all diese Einschränkungen hilfreich und wichtig – doch wir zahlen einen hohen Preis, der nur deshalb gerechtfertigt ist, weil sich so wohl viele, viele Menschenleben retten lassen.

In schwierigen Lagen wird oft die Frage nach Gott laut. Doch nicht so, dass die Menschen nun erkennen, wie weit sie sich von ihm entfernt haben, dass sie umkehren und sich Gott neu anvertrauen. Nein, ihre Frage nach Gott klingt oft vorwurfsvoll: Gott, wo bist Du? Gott, warum hilfst Du nicht?

So haben wohl auch die Israeliten nach Gott gefragt – nach dem Gott, der ihnen oft gleichgültig und unwichtig war. Aber nun, in der Krise, da soll Gott helfen.

„Hebt Eure Augen in die Höhe und seht!“, sagt Gott. Was sehen wir, wenn wir nach oben schauen? Wenn wir in einem Tal sind, fällt unser Blick vielleicht auf mächtige Berge. „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen“, sagt der Psalmbeter, und fragt sich: „Woher kommt mir Hilfe?“[1] Und er ist sich sicher: „Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“[2] Wo auch immer wir sind entspannt sich über uns ein unendlicher Himmel. Nachts sieht man die Sterne funkeln, und je länger man nach oben schaut, desto mehr Lichter entdeckt man. „Das habe ich geschaffen, und das halte ich in meiner Hand. Keines davon darf fehlen,“ sagt Gott dazu. So groß ist seine Macht. In einem Volkslied heißt es:

Weißt du, wie viel Sternlein stehen
an dem blauen Himmelszelt?
Weißt du, wie viel Wolken gehen
weithin über alle Welt?
Gott der Herr hat sie gezählet,
dass ihm auch nicht eines fehlet
an der ganzen großen Zahl.

Ob der Dichter diesen Vers aus Jesaja im Sinn hatte, als er seine Zeilen schrieb? Der Gott, der über das Heer der Sterne den Überblick bewahrt – er sieht nicht nur das große, sondern auch das kleine. Unser Weg, unser Leben ist ihm eben nicht verborgen; unser Recht geht nicht an ihm vorüber, sondern es liegt ihm am Herzen. Nimmer müde setzt er sich für uns ein – mit allem, was er ist und hat. Das durften wir vor einer Woche feiern: für uns gibt Gott sich selber auf, stirbt am Kreuz, und besiegt den Tod. So nahe kommt er uns, dass er das menschliche Leid auf sich nimmt und für uns trägt.

Gott ist nicht weit entfernt – er steht neben uns, hinter uns, vor uns. Er ist da, um uns aufzurichten, wenn wir niedergeschlagen sind, um uns neue Kraft zu geben, dass wir den langen Weg gehen können, der im Kampf gegen das Virus noch vor uns liegt. Kraftvoll wie ein Adler können wir mit Gottes Hilfe neu durchstarten.

Vor einiger Zeit habe ich eine interessante Erklärung zu diesem Text gehört. Was, wenn es hier gar nicht um den majestätischen Adler geht – sondern um einen Gänsegeier? Geier haben die Angewohnheit, dass sie sich den Bauch hemmungslos vollschlagen, wenn sie etwas zu fressen finden. Mitunter fressen sie so viel, dass sie danach zu schwer sind, um wieder abfliegen zu können. Üblicherweise würgen sie dann einen Teil der Nahrung wieder heraus, bis sie leicht genug sind, um sich in die Lüfte erheben zu können.

Eine andere Taktik haben die Geier, die Israel an den Felsen oberhalb des Toten Meers heimisch sind. Sie torkeln mit vollem Bauch bis zur Felskante, stürzen sich in die Tiefe – und breiten ihre Flügel auf. Auf dem Aufwind segeln sie dann nach oben. Ohne einen Flügelschlag, ohne eigene Kraft fahren sie auf – getragen vom Wind.

So trägt uns Gott. Ohne eigene Anstrengung. Ohne dass wir etwas dazu tun müssten. Das einzige, was er von uns verlangt, ist Vertrauen. So, wie der Geier beim Sprung von der Klippe Vertrauen hat, dass der Aufwind ihn tragen wird. So brauchen wir das Vertrauen, um uns in Gottes Hand fallen zu lassen. Unsere Ängste, unsere Sorgen, unsere Fragen. All unser Planen, was morgen und übermorgen und in der Zukunft sein wird – lassen wir es los, und legen es in Gottes Hand.

Amen

Rolf Wachter

Zur Besinnung

1. Wenn ich, o Schöpfer, deine Macht,
die Weisheit deiner Wege,
die Liebe, die für alle wacht,
anbetend überlege:
so weiß ich, von Bewundrung voll,
nicht, wie ich dich erheben soll, / mein Gott, mein Herr und Vater!

2. Mein Auge sieht, wohin es blickt,
die Wunder deiner Werke;
der Himmel, prächtig ausgeschmückt,
preist dich, du Gott der Stärke.
Wer hat die Sonn an ihm erhöht?
Wer kleidet sie mit Majestät? / Wer ruft dem Heer der Sterne?

3. Wer misst dem Winde seinen Lauf?
Wer heißt die Himmel regnen?
Wer schließt den Schoß der Erde auf,
mit Vorrat uns zu segnen?
O Gott der Macht und Herrlichkeit,
Gott, deine Güte reicht so weit, / so weit die Wolken reichen.

4. Dich predigt Sonnenschein und Sturm,
dich preist der Sand am Meere.
Bringt, ruft auch der geringste Wurm,
bringt meinem Schöpfer Ehre!
Mich, ruft der Baum in seiner Pracht,
mich, ruft die Saat, hat Gott gemacht; / bringt unserm Schöpfer Ehre!

5. Der Mensch, ein Leib, den deine Hand
so wunderbar bereitet,
der Mensch, ein Geist, den sein Verstand
dich zu erkennen leitet:
der Mensch, der Schöpfung Ruhm und Preis,
ist sich ein täglicher Beweis / von deiner Güt und Größe.

6. Erheb ihn ewig, o mein Geist,
erhebe seinen Namen;
Gott unser Vater sei gepreist,
und alle Welt sag Amen,
und alle Welt fürcht ihren Herrn
und hoff auf ihn und dien ihm gern. / Wer wollte Gott nicht dienen?

Christian Fürchtegott Gellert, 1757 (EG 506)


[1] Psalm 121,1

[2] Psalm 121,2